Disziplin und Härte – ein schmaler Grat

Das nasskalte Wetter mit dem Wind, der in die Knochen fährt, lässt das wöchentliche Joggen zur grossen Probe werden. Sollen wir uns zwingen rauszugehen oder bleiben wir doch lieber in der warmen Stube? Disziplin durchziehen?

Keine pauschalen Antworten

Diese Frage ist selten so pauschal und rückblickend oft einfacher zu beantworten. Da merkt man nämlich, dass dieses eine Mal zuviel war und man jetzt deswegen krank im Bett liegt oder sich schlicht übertan hat.

Wie entscheidest Du in solchen Situationen? Erfindest Du Ausflüchte, warum etwas gar nicht geht, zwingst Du Dich oder wägst Du ab?

Disziplin ist eine hochgehaltene Tugend in unserer Gesellschaft.

Aber Disziplin kann sich gegen uns und unseren Körper wenden, wenn sie sich in Härte äussert. Dann gehen wir über unsere Grenzen und verlangen mit dem Kopf mehr von uns(erem Körper) als eigentlich möglich ist. Das Ergebnis ist in jedem Fall eine Selbstverletzung.

Wie hältst Du es beispielsweise mit folgenden Themen?

  • Immer um dieselbe Zeit aufstehen
  • Diäten einhalten
  • Regelmässig Sport treiben
  • Zu lange Arbeitstage
  • Tägliche Routinen
  • Soziale Umgangsformen einhalten oder Netzwerken

Dies sind nur einige Themen, bei denen es immer wieder geschieht, dass Menschen sich selbst und ihre Grenzen total aufgeben, weil sie meinen, sich etwas Gutes zu tun (zu müssen).

Disziplin ist doch wichtig, oder? – Ja, aber nicht für alle gleich und nicht immer.

Moderate und Abstinenzler

Eine für mich in dieser Frage sehr wichtige Typeneinteilung stammt von der Bestsellerautorin Gretchen Rubin. Sie teilt die Menschen in so genannt ‚Moderate‘ und ‚Abstinenzler‘ ein (absolvieren den Test hier).

Moderaten hilft es, sich immer ein Hintertürchen offen zu lassen. Zu viel Disziplin macht sie starr und lässt sie unzufrieden werden. Sie brauchen eine Struktur wie zum Beispiel: täglich, ausser Sonntag oder jeden Monat ausser im August oder immer ausser den ersten Tag im Monat. Unterbrechungen der Disziplin, also Ausnahmen, müssen also möglich sein.

Abstinenzler dagegen brauchen die Disziplin mehr. Ihnen hilft die klare Einteilung in gut und schlecht. Abweichungen von der Struktur verunsichern sie und lässt sie die ganze Sache in Frage stellen. Für Abstinenzler ist es also wichtig, das durchzuziehen, was sie sich vorgenommen haben und zwar ohne Ausnahmen.

Tut es mir gut

Die entscheidende Frage sollte aber bei jeder Routine sein: tut sie mir (immer noch) gut? Denn man ändert sich und seine seine Bedürfnisse auch immer mal wieder. Es geht also darum hier aufmerksam zu bleiben.

Das heisst:

  1. Immer überprüfen, ob einem die Tätigkeit wirklich gut tut grundsätzlich
  2. Eine zweite Überprüfung, ob die Tätigkeit auch in der aktuellen Situation angebracht ist – manchmal ist es so, dass man seinen Rhythmus an die geänderte Jahreszeit anpassen muss oder dass an aufgrund von emotionalen oder gesundheitlichen Ausnahmesituationen über weniger Energie als normal verfügt. Dann heisst, es Geduld zu haben mit sich und nichts auf biegen und brechen hinkriegen zu wollen. Das Schlüsselwort ist hier auf seinen Körper zu hören.
  3. Ist es aber einfach nur so, dass man heute etwas faul ist oder gerne etwas anderes tun würde – dann gilt es zu handeln und sich nicht abbringen zu lassen.
  4. Und wenn man es dann geschafft hat, sich aufgerafft hat und die Aufgabe erfolgreich beendet hat – dann dies geniessen und sich loben.

So bringt man Weichheit statt Härte in sein Leben, hört auf sich, aber mit einer gesunden Portion Disziplin.

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